Archiv der Kategorie: Chorleiter

Chorleiter Helmut Hoeft

„Das war schon mal sehr gut.“ Kirchenmusikdirektor Helmut Hoeft ist ein Chorleiter, der die Sängerinnen und Sänger so sensibel behandelt wie der Geiger seine kostbare Stradivari. Er motiviert immer, auch wenn ein Einsatz mal nicht richtig sitzt, der Rhythmus noch nicht ganz klappt, eine Melodie nicht genau getroffen wird…

Helmut HoeftHelmut Hoeft, geb. 1957, studierte an der Berliner Kirchenmusikschule Berlin-Spandau. Seit 1982 ist er Kirchenmusiker an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche und leitet seit dieser Zeit auch die Kantorei. Helmut Hoeft ist Kreiskantor im Kirchenkreis Berlin-Charlottenburg und Dozent für Liturgisches Orgelspiel am C-Seminar der EKBO an der Universität der Künste Berlin (UdK). Selbstverständlich ist er der Organist, der die Schuke-Orgel der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche mit großem Abstand am häufigsten, nämlich fast täglich, in Gottesdiensten und Andachten sowie bei Orgelvespern und in Orgelkonzerten spielt. Darüber hinaus hat sich Helmut Hoeft als Komponist zahlreicher Kinderlieder und geistlicher Chorwerke einen Namen gemacht. Eine Auswahl seiner Kompositionen finden Sie in der Repertoireliste der Kantorei. Eine seiner Kompositionen wird als PDF-Datei zum freien Gebrauch im gemeindlichen Gottesdienst auf der Seite Downloads zur Verfügung gestellt. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Kirchenmusiker, die mit der Verantwortung für das Kirchenmusikprogramm an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche verbunden ist, und seiner freien Tätigkeit als Komponist und Notengrafiker ist Helmut Hoeft in zahlreichen Ehrenämtern aktiv, zu denen unter anderem seine Mitgliedschaften im Gemeindekirchenrat der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, in Synode und Kirchenrat des Kirchenkreises Charlottenburg und im Vorstand des Bach-Chores an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche zählen. Im Jahre 2005 wurde Helmut Hoeft für seine verdienstvollen Tätigkeiten der Titel des Kirchenmusikdirektors verliehen.

Mehr Infos mit Noten- und Hörbeispielen unter http://www.helmuthoeft.de.

Frühere Chorleiter

Seit 1.3.1982 leitet Kirchenmusikdirektor Helmut Hoeft die Kantorei.

Die Chorleiter des Kirchenchors und der Kantorei ab 1896 waren:

  • 1.9.1895 bis 22.5.1928 Wilhelm Freudenberg
  • etwa 1913 bis etwa 1923 Alex Kiesslich
  • etwa 1923 bis 31.3.1933 Ernst Voigt
  • 6.12.1928 bis 1.5.1932 Fritz Heitmann (ab 1928 war Ernst Voigt den Weisungen von Professor Heitmann unterstellt)
  • 1.10.1932 bis 31.7.1946 Walter Drwenski
  • 1.8.1946 – 31.3.1966 Paul Hoffmann
  • 1.1.1967 – 31.12.1981 Romo Feldbach

Der Kirchenchor und seine Chorleiter

kwg-logo-99x1072010 ist von Gerhard Limpach eine Broschüre zum Kirchenchor und seinen Chorleitern erschienen.

Gerhard Limpach: Der Kirchenchor und seine Chorleiter. 2010

Leseprobe: Am 27. Mai 1932 antwortet ihr Pfarrer Jacobi:
„Sehr geehrte Frau Riedel!
Für Ihr eingehendes Schreiben bezüglich des Kirchenchores sage ich Ihnen meinen verbindlichsten Dank. ….. Ich verstehe durchaus, dass Sie auch die finanzielle Seite der Chormitglieder erwähnen. Es wäre ja geradezu unmenschlich von mir, wenn ich nicht wünschte, dass jeder Bedürftige heute irgendwie zu einer Nebeneinnahme käme. Aber wie gesagt, diese Seite der Sache steht nicht in der Hand des Pfarrers.
Ich möchte allerdings nicht verfehlen, zu sagen, dass die Stimmung in unserm Kirchenrat dem Kirchenchor gegenüber deshalb nicht allzu freundlich ist, weil der Chor ausnahmslos jedes Mal vor der Predigt die Kirche verläßt. Dass der Chor nicht immer dableibt, pflegt in allen Kirche so zu sein, aber so wie hier, habe ich es noch nicht erlebt. Uns Pfarrern wäre daher ein Chor lieber, der aus der Gemeinde erwächst, auch an dem Gemeindeleben teilnimmt, den ganzen Gottesdienst mitträgt und also ein Teil unserer Gemeinde ist. Selbst wenn er dann etwas schlechter singen sollte, ist uns das doch lieber, als dass der Chor sich bei Weinert niederlässt, während die Gemeinde Gottesdienst hält. Ich sage Ihnen das ganz offen, weil es ja keinen Sinn hat, über die Dinge zu reden, wenn man nicht ehrlich redet.
Mit angelegentlichen Empfehlungen – Ihr sehr ergebener Jacobi“ (Akte Kirchenchor 1896 – 1943)

Chorleiter Professor Wilhelm Freudenberg

Zur Person und dem Anstellungsverhältnis von Prof. Freudenberg, dem vormaligen Opernkomponisten und -dirigenten, Musikdirektor und Musiktheoretiker, geboren am 11. März 1838 in Raubacher Hütte bei Neuwied, gestorben am 22. Mai 1928 in Schweidnitz, soll an dieser Stelle berichtet werden. Es sind Zitate aus einer Arbeit von Dr. Joachim Dorfmüller über den damaligen Organisten der Gemeinde, Prof. Dr. Heinrich Reimann:

…. Reimanns Bach-Engagement führte im Vorjahr des 150. Todestages des Thomaskantors an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, im Jahre 1899, zur Gründung eines Bach-Vereins, der sich gezielt um die Aufführung von Kantaten, Motetten, Oratorien und Passionen des Leipziger Meisters bemühen sollte. Dieser Bach-Verein stand unter der Obhut der Musik-Kommission, die die Finanzierung gewährleistete. Es war allerdings auch der zweite Chor an der Kirche, denn bereits 1895 war ein Chor gegründet worden, der unter der Leitung Wilhelm Freudenbergs stand und vornehmlich gottesdienstlich-liturgische Aufgaben bestritt. Freu-denberg, dessen anerkannt hohe Musikalität eigentlich bedeutenderen Ämtern als dem eines Kirchenchorleiters hätte entsprechen sollen, war – ob neben Reimann oder nicht – kaum glücklich; als Komponist, der sich von der Neudeutschen Richtung losgesagt hatte und einer Klassizität Mozartscher Prägung zugewandt war, konnte er kaum Erfolge verbuchen, konnte sich nicht durchsetzen, so daß die Annahme der Stellung als Chorleiter der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in gewissem Sinne Ausdruck eines ‚inneren Resignierens‘ war. Wie sich die Zusammenarbeit zwischen Reimann und Freudenberg im einzelnen gestaltete, ist für die ersten Jahre nicht überliefert; doch scheint es schon vor 1905 zu Schwierigkeiten gekommen zu sein, wie einer Notiz im Bericht der Musik-Kommission des Kuratoriums entnommen wer-den muß: ‚Indessen ist die Musik-Kommission einstimmig der Ansicht, dass das Bestehen zweier Chöre nebeneinander unpraktisch ist, und dass es der Würde der Kirche entsprechend und zur Erreichung künstlerisch vollendeter musikalischer Leistung notwendig ist, dass die Errichtung eines einzigen, aus theilweise zu honorirenden Künstlern bestehenden großen Kirchencho-res angestrebt werde. Zu den Gottesdiensten genügt der kleinere Theil des Chores, dagegen muss er zu Konzerten, vor Allem zur Aufführung der kirchlichen Oratorien, über eine grosse Zahl, namentlich auch freiwilliger Kräfte verfügen.‘“

Aus gleicher Quelle erfahren wir über die Festanstellung von Prof. Freudenberg:

„…. Zwei Jahre später erfolgte die Festanstellung Reimanns an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche auf Grund höchster Ordre: datiert auf den 7. Juni 1899, …. Das Schreiben des Königs wurde Reimann über das Büro des Evangelischen Oberkirchenrates zu Berlin-Charlottenburg zugestellt und hatte folgenden Wortlaut: ‚Auf den Bericht vom 18. Mai dieses Jahres will Ich, nachdem die zuständigen Gemeinde-Organe der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnißkirche Mir die Ernennung der provisorisch mit der Organistenstelle bezw. mit der Chordirigentenstelle bereits betrauten Personen überlassen haben, den Königlichen Bibliothekar, Prof. Dr. Reimann, zum Organisten und den Professor Freudenberg zum Chordirigenten an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnißkirche hiermit ernennen. Der Evangelische Ober-Kirchenrat hat hiernach das Weitere zu veranlassen. Neues Palais, den 7. Juni 1899 gez. Wilhelm R(ex)“ (Aus „Heinrich Reimann“; 1994, Joachim Dorfmüller)

Eine Bestätigung dieser Angaben findet sich in einem Schreiben des Königlichen Konsistoriums der Provinz Brandenburg vom 18. November 1900 und vom 11. Mai 1901: „…. Der Wilhelm Freudenberg, geboren am 18. März 1838, ist im Kantorenamt der Kirchengemeinde Kaiser-Wilhelm-Gedächtniß seit dem 15. Juni 1899 festangestellt. …. Der Wilhelm Freudenberg ist vor dem Zeitpunkt im Dienste der Kirchengemeinde als Kantor bereits angestellt gewesen seit dem 1. September 1895. ….“ 

Im Schreiben vom 11. Mai 1901 erfährt man etwas über die Bezahlung: „…. daß das Diensteinkommen auf 1.800 Mark(Anmerkung: jährlich) festgesetzt wird. …“ (Akte Professor Freudenberg Akte Chordirigent ab 1896)

Chorleiter Romo Feldbach

Aus der Rubrik im Tagesspiegel am Freitag: Vorbei – ein böses Wort

DER TAGESSPIEGEL vom 2. Oktober 2009 von Tatjana Wulfert

Romo Feldbach (Geb. 1923)

„Durch Reden wird nichts besser in der Musik.“

Der Kantor auf dem Weg zur Probe, gebückt; Brot, Butter, Belag und Getränke wiegen schwer in den Tüten, die er rechts und links trägt. Die Chormitglieder mögen das Gesellige. Die Sänger stellen sich auf, hüsteln, räuspern sich, wechseln zwei, drei Worte noch. Der Kantor betritt den Saal. Die Sänger verstummen. Der Kantor hebt die Arme, schließt die Augen, sein Bariton und die Stimmen der Sänger erklingen: Befiehl du meine Wege / Und was mein Herze kränkt … Die Augenbrauen des Kantors, seine Wangen, die Lippen bewegen sich mit den Tönen, den Worten. Zu sehen ist das Lied auf seinem Gesicht. Mancher Sänger muss achtgeben, nicht mit dem Singen aufzuhören, so schön ist der Anblick des Kantors. Nach der Chorprobe gibt es die Brote mit Butter und Belag, Bier; alle stehen beieinander, schwatzen. Der Kantor hält sich im Hintergrund, seine Augenbrauen, Wangen, Lippen unbewegt, das Gesellige ist seine Sache nicht. Ein stiller Beobachter dieser Szene käme im Traum nicht darauf, dass der wortkarge Romo Feldbach auch die lustigen Bufforollen in Opern und Operetten singt, den Hanswurst und Possenreißer gibt. „Schön, gut“ ist einer seiner ausführlicheren Sätze. Gremien sind ihm zuwider. Trotzdem lässt er sich einmal in den Kirchengemeinderat wählen. Warum, weiß niemand. Nur, dass es ein Martyrium für ihn ist, das Sprechen. „Durch Reden wird nichts besser in der Musik“, sagt er. Weil Romo seit frühester Jugend über ein feines Gehör verfügt, stationiert man ihn während des Krieges an der norwegisch-finnischen Grenze als Horchfunker. „Sieh zu, dass du da gesund rauskommst“, sagt sein Vater bereits Anfang der vierziger Jahre, „der Krieg ist sowieso verloren.“ Romo hat Glück, er muss nicht schießen. Er notiert verschlüsselte russische Funksprüche, hin und wieder eine brisante Nachricht, meist jedoch Hilferufe wie: „Brauche neuen Wodka!“. Das Russische ist ihm nicht fremd, seine Vorfahren waren Baltendeutsche, einer Familienlegende nach soll sein Großvater mit Lenin Schach gespielt haben. Körperlich unversehrt kehrt Romo zurück. Studiert ab 1946 Kirchenmusik und Gesang an der Hochschule für Musik. Lernt dort Anneliese, seine Frau, kennen. Bekommt mit ihr zwei Söhne. Legt die A-Prüfung ab, die höchste als Kirchenmusiker. Spielt Orgel während der Gottesdienste, leitet Kinder-, Kirchen- und Posaunenchöre in der Martha-Kirche in Kreuzberg, in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, in der Auenkirche in Wilmersdorf, fährt zu Begräbnissen über die Friedhöfe. Singt viel für die Konzertdirektion Hohenfels, nicht nur Bach, auch Weltliches. Übt am Abend zu Hause Klavier und Gesang, Anneliese, selbst Musiklehrerin, schreibt die Programme, telefoniert für ihn. Romo versteht sich auch als Handwerker. „Was anfällt, wird gespielt“, sagt er und ziert sich nicht wie andere, auf Wunsch der Hinterbliebenen ein sentimentales Stück zu spielen. Er ist, was man pflichtbewusst nennt. Verreist nur im Sommer. Schleppt sich auch mit 39 Grad Fieber zur Chorprobe. An einem 24. Dezember, da ist er schon pensioniert, bittet eine erschöpfte Kollegin ihn am Telefon: „Könnten sie mich am ersten Weihnachtsfeiertag vertreten? Ich hatte schon drei Christvespern.“ „Ich hatte manchmal fünf“, antwortet Romo unwirsch, „und bin nicht mal auf die Idee gekommen, mich vertreten zu lassen.“

Direktlink: http://www.tagesspiegel.de/berlin/nachrufe/romo-feldbach-geb-1923/1609228.html